April/Mai 2012 |
| Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 1. Korinther 15,20 Liebe Gemeinde, in der Mathematik gilt: Ein Vorzeichen vor der Klammer bestimmt über alle Größen innerhalb der Klammer. Wenn ich ein Minuszeichen vor der Klammer in ein Pluszeichen verwandle, werden alle Größen innerhalb der Klammer umgepolt, sie bekommen einen neuen Wert. Genau das will der Apostel Paulus uns klarmachen: Gott hat an Karfreitag und Ostern das große Minuszeichen vor der Klammer des menschlichen Daseins verwandelt in eines großes Pluszeichen, und dadurch werden alle Werte innerhalb der Klammer der Welt umgepolt. Paulus verkündet: Gott hat das große Minuszeichen der Schuld des Menschen an Karfreitag von oben her durchkreuzt, so dass ein großes Pluszeichen entstanden ist, das alles verändert. Aus einer von Gott abgedrifteten Welt ist eine mit Gott versöhnte Welt geworden. Aus einer in sich geschlossenen, todgeweihten Welt ist eine zur Zukunft Gottes hin geöffnete Welt geworden. Als Jesus am Kreuz sprach: Es ist vollbracht!, da war das Werk der Erlösung tatsächlich vollbracht. Da waren Sünde, Tod und Teufel im tiefsten Dunkel seines Todes schon besiegt. Da war das große Minus vor der Klammer des menschlichen Daseins bereits in ein kreuzförmiges Pluszeichen verwandelt. An Ostern jedoch beginnt dieses schwarze Pluszeichen zu leuchten als ein aufstrahlendes Kreuz, ein Lichtkreuz, als ein Auferstehungskreuz! Alles erscheint von daher in einem ganz neuen Licht: Die Sünde wird als Sünde klar gesehen und mit ihr wird gerechnet, aber es ist klar: Sünde kann unter die Vergebung gestellt werden. Sie kann ans Kreuz gebracht werden.Was an schlimmen Dingen geschehen ist, ist dann vergeben und vergessen für immer. Es kann wieder ein neuer Anfang gewagt werden! Der Tod wird nüchtern erkannt und bedacht als Grenze des menschlichen Lebens. Klugheit und Demut entsteht aus dieser Einsicht. Aber die Welt ist keine geschlossene, todgeweihte Welt mehr, sondern geöffnet hin auf das Reich Gottes! Die Angst wird uns immer wieder einholen und einengen, aber sie ist gnädig begrenzt und umfangen von Gottes Barmherzigkeit. Christus umarmt auch unsere Ängste und Sorgen! Die Mächte dieser Welt werden immer noch eine Rolle spielen in unserem Leben und in der Öffentlichkeit, aber als Christen, die von Ostern her kommen, werden wir sie verspotten und verlachen, wenn sie sich absolut setzen und sich allzusehr aufplustern. Durch die Auferstehung Jesu wird alles innerhalb der Klammer des Daseins relativiert. Christenmenschen, die von Ostern herkommen, spüren dann: Sie sind beheimatet in Gott und frei für den Nächsten. Sie verstehen ihre Arbeit als Gottesdienst im Alltag der Welt. Sie können sich mit ganzer Kraft der Welt zuwenden. Sie müssen die Welt nicht vergöttern, sondern können sie als gute Gabe Gottes nutzen. Sie haben das Herz, den Kopf und die Hände frei für diese Welt und ihre Nächsten. Sie wissen nämlich: Vor der Klammer ihres Lebens und Sterbens und Schuldigwerdens steht ein großes, leuchtendes Kreuz! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und helles Osterfest Ihr Stefan Kunz |